Blendgutachten auf Fernstraßen - Neue Richtlinie

November 2025 - Das Fernstraßen-Bundesamt (FBA) veröffentlicht sein "Eckpunktepapier Photovoltaik: Blendwirkungen und Blendgutachten" und bietet damit eine objektive Grundlage für Blendgutachten auf Fernstraßen.
Das Fernstraßen-Bundesamt (FBA) ist eine Bundesoberbehörde des Bundesministeriums Verkehr (BMV). Es soll in dieser Funktion unter anderem gewährleisten, dass bei der Errichtung von PV-Anlagen nahe Bundesfernstraßen die Auswirkungen auf die Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs evaluiert werden. Bereits im Jannuar 2025 hatte das FBA die Bewertung von Blendungen durch Photovoltaikanlagen in einer Stellungnahme behandelt. Die neu überarbeitete Richtlinie definiert nun umfassender, welche Nachweise zur Blendwirkung vom Anlagenerrichter zu führen sind.
Ziele des Eckpunktepapiers zu Blendgutachten
- Standardisierung der Randbedingungen für lichttechnische Berechnungen und Beurteilungen von Reflexionsauswirkungen
- Vorgabe inhaltlicher Schwerpunkte für Blendgutachten
- Sicherstellung vergleichbarer Berechnungsergebnisse, Beurteilungen und Schlussfolgerungen durch den Gutachter
- Ausschluss oder Minderung von Risiken durch Blendungen
- Schutz des Vorhabenträgers vor rechtlichen Risiken und Sicherstellung der Sicherheit und Leichtigkeit des Verkehrs auf der Bundesfernstraße
Rückzug der Richtlinie OVE R11-3 für Blendgutachten durch Photovoltaik

Am 1.12.2024 wurde die Richtlinie OVE R11-3:2016-11-01 "Blendung durch Photovoltaik" vom OVE zurückgezogen. Nach Meinung der OVE sollte die Richtlinie R11-3 damit keine Anwendung mehr finden. Wie der OVE ausführt, bestehen jedoch keine fachlichen Gründe für den Rückzug der Richtlinie.
Die Richtlinie hatte, basierende auf den Erkenntnissen einer österreichischen Studie (Medizinische Beurteilungsgrundlagen der Passiven Blendung, Doz. Dr. Hanns Moshammer et al., Dezember 2013) und der deutschen LAI-2012 die Beurteilung von Reflexionen durch PV-Anlagen geregelt. Seit dem Jahr 2016 wurde die Richtlinie daher regelmäßig, sowohl in Verwaltungsverfahren (bei der Genehmigung von PV-Anlagen), als auch in zivilrechtlichen Verfahren bei Nachbarschaftsstreitigkeiten wegen Blendung durch Photovoltaik eingesetzt. Überdies wurde sie sowohl zivilrechtlich also aus im Bau- und Gewerberecht erfolgreich für die Beurteilung von Reflexionen anderer Materialien wie Glasfassaden, Aluminium- oder Stahlblechverkleidungen angewendet.
Blendgutachten für die Schweiz

Während der letzten Monate hat Zehndorfer Engineering mehrere Blendgutachten in der Schweiz, genauer gesagt in den Kantonen St. Gallen, Graubünden und Zürich durchgeführt. Die Schweiz hat beim Photovoltaik-Ausbau gerade in letzter Zeit einiges an Fahrt aufgenommen, was nicht nur an den attraktiven Fördermöglichkeiten, sondern auch an den vereinfachten Bauverfahren liegen dürfte.
Die Gutachten wurden für die Ermittlung der Blendwirkung von PV-Anlagen und der Blendwirkung der Metallfassade eines Einkaufszentrums durchgeführt und von den Anlagen-Errichtern während der Bauverfahren in Auftrag gegeben. Dabei galt es eine mögliche Blendung in Richtung der Nachbarschaft, sowie in Richtung des Strassenverkehrs zu berechnen und zu reduzieren. Zur Bewertung der Blenddauer und Blendstärke wurden die Grenzwerte des Leitfadens zur Bewilligung von Solaranlagen herangezogen.
Während viele der berechneten Reflexionen nur kurz auftraten und damit kein Problem für die Nachbarschaft darstellten, gab es zum Teil auch erheblichen Blendungen an einigen Immissionspunkten, wodurch Massnahmen zur Blend-Reduktion zu empfehlen waren. Da diese bereits vor Bau beschlossen wurden, fielen sie deutlich kostengünstiger aus, als nachträgliche Änderungen.
Photometrische Berechnung - Blendgutachten

Blendgutachten werden in Bauverfahren von Solaranlagen oder Glasfassaden gefordert, wenn Blendungen der Nachbarschaft oder des Straßenverkehrs nicht auszuschließen sind. Um Blendungen zu beurteilen existieren in verschiedenen Ländern Richtlinien, die einerseits vor allem die Dauer der Reflexionen (während eines Tages und während des gesamten Jahres) als Beurteilungskriterium heranziehen. Andererseits kann aber die Stärke der Reflexionen eine wichtige Rolle bei der Empfindung der Blendwirkung spielen.
Der Helligkeitseindruck, der im menschlichen Auge entsteht, wird durch die Leuchtdichte, gemessen in cd/m² (Candela pro Quadratmeter), bestimmt. Die Helligkeit einer Fläche wird durch den Wert der Beleuchtungsstärke, gemessen in lx (Lux), beschrieben.
Flughafen Dubai - Blendgutachten für Photovoltaik

PV-Dachanlage in Megawatt-Größe
Dubai Airport Terminal 2, der bereits 1998 errichtet wurde, wird momentan renoviert und seine Kapazität auf das Doppelte erweitert. Das Dach des Terminals ist flach und mit seiner Fläche von 63.000m² ein idealer Standort für eine PV-Anlage. Einerseits bietet die unverschattete Dachfläche unter Dubais Sonne viel Platz für ein PV-Kraftwerk. Andererseits wird der generierte Strom direkt im Terminal darunter verbraucht, wodurch die kurzen Kabelwege der Anlage zu einer erstklassigen Effizienz verhelfen dürften. Während andere große Solarkraftwerke über teure Transformatoren und lange Transmissionsleitungen den Strom einspeisen, kann hier direkt an die Niederspannungsschiene im Gebäude geliefert werden.
Keine Blendung durch Reflexionen
Da am Flughafen viel Verkehr ist, dürfen die Fluglotsen und Piloten keine Fehler machen. Reflexionen von Glasflächen könnten die Air Traffic Controller am Flughafen-Tower blenden. Diese müssen jederzeit ungehindert in Richtung der Landebahn, Rollwege und Anflugsektoren sehen können. Blendungen von den PV-Modulen könnten dies verhindern. Für den Fall, dass ein Fluglotse keinen Sichtkontakt zu den Flugzeugen hat, muss er sich vollständig auf die Radarinstrumente verlassen und die Abstände der startenden und landenden Flugzeuge größer einteilen um zusätzliche Sicherheit zu gewährleisten. Die Verlängerung von Flugzeug-Abständen kostet den Flughafen aber wertvolle Zeit - die Kapazität der Landebahn wird reduziert.
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