Flughafen Dubai - Blendgutachten für Photovoltaik

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Dubai International Airport (DXB) ist mit seinen 90 Millionen Passagieren jährlich einer der betriebsamsten Flughäfen der Welt. Die Heimat der Emirates Airlines beherbergt den ersten Airbus-A380-Terminal, der speziell für diese Flugzeugtype gebaut wurde. Als größter Flughafen des Mittleren Ostens laufen 51% des Passagierverkehrs über ihn. Er bietet 90.000 Arbeitsplätze und erwirtschaftet 27% von Dubais Bruttonationalprodukt.

Nachhaltigkeit durch Photovoltaik

Es ist kein Geheimnis, dass der Energiebedarf pro Kopf in Dubai zu einem der höchsten der Welt gehört. Dies wird einerseits durch die niedrigen Energiepreise (wegen der reichhaltigen Öl- und Gasvorkommen in der Region) und andererseits vom hohen Energiebedarf für Kühlung und Meerwasserentsalzung verursacht. Umso wichtiger sind die zahlreichen Solar-Projekte, die Dubai seit jüngster Vergangenheit umsetzt und die zu den größten der Welt gehören. Mit ihnen will Dubais Clean Energy Strategy bis 2030 25% der Energie aus erneuerbaren Quellen schöpfen.

Auch der Dubai International Airport hat einige Grüne Initiativen gestartet. Dazu gehören Maßnahmen der Energieeffizienz, elektrische Fahrzeuge, sowie auch die geplante 5MWp PV-Dachanlage auf dem Terminal 2 des Flughafens, wie Construction Week berichtete. Diese größte Solaranlage auf einem Flughafen im Mittleren Osten, deren 15.000 PV-Module jährlich 7.400 MWh generieren sollen, wird als gemeinsames Projekt mit der Etihad Energy Services Company abgewickelt.

PV-Dachanlage in Megawatt-Größe

Dubai Airport Terminal 2, der bereits 1998 errichtet wurde, wird momentan renoviert und seine Kapazität auf das Doppelte erweitert. Das Dach des Terminals ist flach und mit seiner Fläche von 63.000m² ein idealer Standort für eine PV-Anlage. Einerseits bietet die unverschattete Fläche unter Dubais Sonne viel Platz für ein PV-Kraftwerk. Andererseits wird der generierte Strom direkt im Terminal darunter verbraucht, wodurch die kurzen Kabelwege der Anlage zu einer erstklassigen Effizienz verhelfen dürften. Während andere Großkraftwerke über teure Transformatoren und lange Transmissionsleitungen den Strom einspeisen, kann hier direkt an der Niederspannungsschiene angeschlossen werden.

Keine Blendung durch Reflexionen

Da am Flughafen viel Verkehr ist, dürfen die Fluglotsen und Piloten keine Fehler machen. Reflexionen von Glasflächen könnten die Air Traffic Controller am Flughafen-Tower blenden. Die Fluglotsen müssen aber jederzeit ungehindert in Richtung der Landebahn, Rollwege und Anflugsektoren blicken können. Blendungen von den PV-Modulen könnten dies verhindern. Für den Fall, dass ein Fluglotse keinen Sichtkontakt zu den Flugzeugen hat, muss er sich vollständig auf die Radarinstrumente verlassen und die Abstände der startenden und landenden Flugzeuge größer einteilen, um zusätzliche Sicherheit zu bekommen. Die Verlängerung von Flugzeug-Abständen kostet den Flughafen aber wertvolle Zeit - die Kapazität der Landebahn wird reduziert.

Piloten müssen speziell in der kritischen Phase des Starts und des Landeanflugs ihre volle Aufmerksamkeit den Instrumenten und der Umgebung widmen. Blendungen in dieser Phase könnten die Konzentration von Piloten beeinflussen und sich negativ auf das Erkennen von Punkten am Boden auswirken. Aus diesen Gründen sind speziell in der Anflugzone, sowie am Tower Blendungen zu vermeiden. Große Glasflächen, wie jene der 15.000 PV-Module könnten aber Blendung hervorrufen - so geschehen am Manchester Airport in den USA, wo eine neu errichtete PV-Anlage unmittelbar nach der Einweihung wieder abgebaut werden musste.

Daher wurde Zehndorfer Engineering beauftragt ein Blendgutachten für die geplante PV-Anlage durchzuführen. Die Firma hat schon ganz ähnliche Blendgutachten für den Flughafen Wien und den Flughafen München durchgeführt. Die Berechnungen haben geholfen Blendungen des Towers und der Piloten zu vermeiden. Im Falle von gefährlichen Reflexionen kann der Winkel der PV-Module geändert werden, was auch schon bei einigen Solaranlagen so durchgeführt wurde. Im Gegensatz zu dem Fall am Manchester Airport (wo dies erst erkannt wurde, nachdem die Blendungen aufgetreten waren) entstehen dadurch in der Planungsphase faktisch keine zusätzlichen Kosten.

Ein Blendgutachten gibt Sicherheit

Immissionspunkte am Flughafen Dubai

In der Blendberechnung wurde der Sonnenstand am Standort Dubai von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang über das ganze Jahr für die Simulation der Reflexionen herangezogen. Die PV-Module mit zwei unterschiedlichen Ausrichtungen reflektieren die Sonne zu unterschiedlichen Zeiten. Als Immissionspunkte wurden die Anflugzonen und der Tower der Flugsicherung gewählt. Im Blendgutachten werden neben den Zeiten und der Dauer von möglichen Reflexionen auch die Sichtwinkel und die Stärke von Blendungen errechnet. Dies ermöglicht eine Beurteilung der Gefährlichkeit von Reflexionen für den Flugverkehr und die Flugsicherung. Die Bewertung erfolgt nach den Richtlinien der europäischen Richtlinie für Flughafen-Design, sowie der relevanten FAA Richtlinie.

In diesem konkreten Fall am Flughafen Dubai war zusätzlich auch noch eine eventuelle Blendwirkung auf die benachbarten Gebäude des Polizeihauptquartiers und der Dubai Freihandelszone (DAFZA) zu evaluieren. Trotz des großflächigen PV-Kraftwerks konnte in allen Fällen Entwarnung gegeben werden. Die Reflexionen der PV-Module treffen keinen der untersuchten Immissionspunkte und stellen daher keine Gefahr für den Flugverkehr oder unzumutbare Belästigung für die benachbarten Gebäude dar.

Mehr Information zum Thema Blendgutachten finden Sie hier.

Zehndorfer Engineering führt regelmäßig Blendgutachten für Gebäude und Solarkraftwerde durch. Dipl.-Ing. Jakob Zehndorfer ist gerichtlich beeideter Sachverständiger für Blendgutachten.