Sicherheit von PV-Anlagen im Brandfall

PV Anlagen Sicherheit
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Anlässlich eines Großbrandes einer Werft in Strau (Kärnten) wurde Jakob Zehndorfer als Photovoltaik Sachverständiger vom ORF-Kärnten zur Sicherheit von PV-Anlagen im Falle eines Brandes befragt. Das Dach des Werftgebäudes war mit einer größeren Photovoltaik ausgestattet, was im Brandfall bei manchen Feuerwehrleuten ein gewisses Unbehagen auslöst. Dabei ist die Brandbekämpfung mit Photovoltaikanlage, bei richtiger Vorgangsweise nicht gefährlicher als ohne.

PV Anlagen aus der Sicht des Elektrotechnikers

Photovoltaikanlagen sind elektrische Niederspannungsanlagen bis 1000V, wie viele andere auch. Es gelten daher auch die gleichen Richtlinien wie für andere elektrische Anlagen. Bei dem Brand in Strau war, wie von einem Sachverständigen Kollegen festgestellt, nicht die PV-Anlage der Brandauslöser, sondern ein Ladegerät für die Batterieladung eines Bootes. Angeblich gab es im Zuge der Löscharbeiten Unsicherheiten auf Seiten der Feuerwehr, wie mit der unter Spannung stehenden PV-Anlage umzugehen sei.

PV Anlagen aus der Sicht der Feuerwehr

Aus Sicht der Feuerwehr können PV-Anlagen die Brandbekämpfung verzögern. Die PV-Anlage muss sicher vom Netz getrennt werden, was bei großen Anlagen nicht immer alleine mit der Abschaltung des Hausanschlusses getan ist, da diese oft einen direkten Zugang zum Verteil-Transformator haben. Da die PV-Module bei Lichteinfall aber weiter Strom produzieren, ist auch ein Mindestabstand zu den PV-Modulen sicherzustellen. Bei der Brandbekämpfung von oben (durch das Dach) kann es außerdem notwendig sein, das Dach zu öffnen. Dazu wird das Dach mit der Feuerwehraxt bearbeitet, wobei die PV-Module im Weg sein können. Wenn dann, in der Hitze des Gefechts, nicht jeder Handgriff sitzt, kann es zu Verletzungen durch Elektroschock kommen.

Jakob Zehndorfer
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Schutz von Einsatzkräften

Damit die Feuerwehr im Brandfall also vor dem elektrischen Strom geschützt wird, sind PV-Anlagen unter anderem nach der eigens dafür vorgesehenen Richtlinie (OVE R11-1, Schutz von Einsatzkräften) zu errichten. Darin sind technische und bauliche Maßnahmen für die Errichtung von PV-Anlagen festgelegt, die dafür sorgen sollen, dass die, auch nach der Abschaltung generierte Spannung, niemanden verletzt. Dies wird vor allem dadurch erreicht, dass der Stromkreis der PV-Stränge über einen niederohmigen Weg geschlossen wird. Versagt im Brandfall die doppelte Isolierung der Kabel, so werden diese z.B. über eine metallene Kabeltrasse kurzgeschlossen, womit dann ein Strangstrom von ca. 8 A fließt und die Spannung von ursprünglich bis zu 1000V auf wenige Volt zusammenbricht. Alle Anlagen sind mit einem Hauptschalter auszurüsten, zu dem die Feuerwehr im Brandfall Zugang haben muss, denn die Freischaltung vom Netz ist die erste und wichtigste Aufgabe vor der Brandbekämpfung.

Richtige Verhaltensweisen

Zehndorfer Engineering bietet eine eintägige Schulung mit dem Titel "Umgang mit PV-Anlagen in der Brandbekämpfung" an. Darin werden die wesentlichen theoretischen Hintergründe der Elektrotechnik wiederholt, sowie der Aufbau und die Funktion von Photovoltaikanlagen erklärt. Die relevanten technischen Normen und Richtlinien werden anhand von praktischen Beispielen erörtert und strategische Richtlinien für die Brandbekämpfung von Solaranlagen augearbeitet. Im praktischen Teil wird die Abfolge der richtigen Handlungen sowie der Umgang mit PV-Komponenten geübt. Die PV Anlage kann, wie auch alle anderen unter Spannung stehenden Teile, mit normalem Löschwasser gelöscht werden. Ein Mindestabstand von 5 m bei Vollstrahl und 1 m bei Sprühstrahl ist erforderlich, damit der Feuerwehrmann keiner elektrischen Spannung ausgesetzt wird. Auch Hochspannungsanlagen werden auf diese Weise gelöscht (allerdings mit größeren Abständen).

Welche Anlagen sind sicher?

Solaranlagen die dem Stand der Technik entsprechen und daher nach allen relevanten Normen errichtet sind, minimieren die Gefahren für die Feuerwehr erheblich. Damit die Umsetzung der Planung auch wirklich gewissenhaft erfolgt, empfiehlt es sich, eine renommierte Fachfirma mit der Errichtung der Anlage zu beauftragen. Ein gut zugänglicher Hauptschalter ist speziell bei größeren Anlagen unerlässlich. Speziell für größere PV-Anlagen sollte eine Einschulung der Feuerwehr an der Anlage erfolgen, damit im Falle der Brandbekämpfung die örtlichen Gegebenheiten klar sind und jeder Handgriff sitzt.



Zehndorfer Engineering führt regelmäßig elektrotechnische Schulungen in Seminaren und bei Kunden durch. Jakob Zehndorfer ist gerichtlich beeideter Sachverständiger für Photovoltaik.