Blendgutachten für Flughafen München und Paderborn

Tower MUC
(c) 2017 DigitalGlobe, Landsat / Copernicus
Der Flughafen München „Franz Josef Strauß“ (MUC) ist der größte Flughafen der bayerischen Landeshauptstadt. Er zählt mit 44,6 Millionen Passagieren zu den größten Flughäfen Europas. Die etwa 100 Fluggesellschaften, die ihn befliegen, verbinden ihn mit fast 300 Destinationen in aller Welt. Von seinen zwei parallelen 4.000 m langen Start- und Landebahnen starten täglich mehr als 500 Flugzeuge. Auf dem Dach der zentralen Halle des Terminal 2 befindet sich bereits eine Photovoltaikanlage mit einer Größe von etwa 400kWp, die dabei hilft den CO2-Ausstoß der Betriebsgebäude zu reduzieren. Doch diese Anlage, die bereits seit 2013 problemlos in Betrieb ist, war nicht Teil des Gutachtens.

PV Anlage in der Anflugzone

Die geplante Photovoltaik-Freiflächenanlage liegt genau in der Verlängerung der Start/Landebahn ca. 5km westlich der Touch-Down-Zone. Obwohl die Anlage mit über 10 MWp recht groß ist, ist sie aus einer so großen Entfernung vom Tower nur als Linie am Horizont wahrnehmbar. Da der Blick in die Richtung der Anlage, die sich mit der Richtung der Landebahn deckt, jedoch für die Fluglotsen wichtig ist, musste eine mögliche Blendung der Air-Traffic-Controller durch Sonnen-Reflexionen auf den PV-Modulen untersucht und berechnet werden. Auf Grund der Lage und der Ausrichtung der Anlage stellte sich heraus, dass Reflexionen in Richtung des Towers hier prinzipiell nicht möglich sind.

Da die Flugzeuge bei Start und Landung in einer Höhe von etwa 500 m direkt über die Anlage hinwegfliegen, wurde auch eine mögliche Blendwirkung auf den Flugverkehr in der Anflugzone untersucht. Bei großen reflektierenden Flächen gibt es beinahe immer irgendeinen Punkt, der zu bestimmten Zeiten Reflexionen ausgesetzt ist, wie auch in diesem Fall. Allerdings stellt sich die Frage, ob die zu erwartende Blendwirkung der Reflexionen so stark ist, dass sie für den Flugverkehr gefährlich werden könnte. Die manchmal ausgesprochene Forderung von Anliegern nach Null Immissionen ( = vollständige Vermeidung von Blendungen) ist in vielen Fällen technisch nicht umsetzbar. Es ist, so wie auch hier, meistens auch gar nicht erforderlich, dass es wirklich gar keine Reflexionen gibt. Vielmehr ist es wichtig, auch die anderen Parameter der möglichen Lichteinwirkung auf den Piloten genau zu untersuchen. Dazu gehören die Lage der reflektierenden Fläche im Blickfeld, sowie die Einwirkdauer, die sich in diesem Fall auf einige Sekunden beschränkte.
Lage MUC
(c) 2017 DigitalGlobe, Landsat / Copernicus

Blendungen von Bahn und Autobahn

Da die geplante PV-Anlage aber auch an einem Knotenpunkt der Bahnlinie München-Regensburg, sowie direkt an der Autobahn A92 befindet, war die mögliche Blendwirkung auf den Bahn- und Straßenverkehr zu untersuchen. Wie sich in der Blendberechnung herausstellte, würden zu bestimmten Zeiten Reflexionen auftreten, die dem Verkehr gefährlich werden könnten. Zwar beschränkten sich die Blendungen auf bestimmte Tageszeiten, doch könnten sie auf Grund der Nähe zu den Verkehrsteilnehmern deren Blickfeld doch so stark einschränken, dass Fahrer eventuell nahende Gefahren (z.B. die Bremslichter des vorderen Fahrers) nicht oder nur verspätet wahrnehmen. Daher wurde als blendreduzierende Maßnahme ein blickdichter Zaun vorgeschlagen, der den Blick auf die PV-Anlage an den kritischen Stellen verhindert.

PV-Anlage am Flughafen Paderborn

Auch in Nordrhein-Westfalen am Flughafen Paderborn-Lippstadt (PAD) wurde ein Blendgutachten durchgeführt. Wie aus dem Luftfahrthandbuch der Deutsche Flugsicherung GmbH hervorging, liegt die Anflugroute in der Nähe der PV-Anlage. Aus diesem Grunde und auf Anfrage der Flughafen-Betriebsgesellschaft beim Landratsamt Soest wurde die Blendberechnung für den Tower sowie die Anflugroute durchgeführt. Wie die Berechnung zeigte, sind lediglich kurzzeitige Reflexionen auf die Anflugrute im Bereich weniger Minuten pro Tag möglich. Dadurch und wegen der in diesem Fall nur seitlich auftreffenden Lichtstrahlen, wurden die Reflexionen als unbedenklich für den Flugverkehr eingestuft.

Zehndorfer Engineering führt regelmäßig Blendgutachten für Solaranlagen und Glasfassaden in Deutschland und Österreich durch. Jakob Zehndorfer ist gerichtlich beeideter Sachverständiger für Blendgutachten.